Kann man Katzen, die eine Transfusion benötigen, Hundeblut geben?

Eine Veröffentlichung aus den Vereinigten Staaten im Dezember 2019 beschäftigt sich mit Transfusion von Hundeblut bei Katzen, die in einer Notlage der Anämie sind.

Die Begriff Xenotransfusion bezieht sich auf die Verabreichung von Blutprodukten zwischen den Tierarten. Im klinisch-veterinärmedizinischen Kontext bedeutet dies häufig die Verabreichung roter Blutkörperchen von Hunden an katzenartige Patienten. Diese Situation kann aufgrund der unterschiedlichen Verfügbarkeit von Blutprodukten von Hunden und Katzen, des fehlenden Zugangs zu Katzenblut der Gruppe B oder der unzureichenden Zeit für die Verabreichung der Blutgruppe eines Patienten vor der Verabreichung von Blutprodukten entstehen. In Fallberichten und retrospektiven Serien wurde bereits früher gezeigt, dass die einmalige Verabreichung von Hundeblut an eine Katze toleriert, also vertragen, wird. Es wurde aber angedeutet, dass die Halbwertszeit dieser transfundierten Zellen gering ist. Es kommt auch häufig zu Kreuzungsreaktionen in vitro auftreten. Es gibt jedoch einen Mangel an Forschungsliteratur zum Thema Xenotransfusion.

Diese Studie wurde als prospektive Beobachtungsstudie von Katzen konzipiert, die über einen Zeitraum von ca. 2 Jahren in zwei tierärztlichen Lehrkrankenhäusern durchgeführt wurde. Katzen, die eine dringende Transfusion benötigten (d.h. der behandelnde Tierarzt war der Ansicht, dass ohne Transfusion ein hohes Sterberisiko innerhalb von 6 Stunden bestand):  

  • Da das geeignete Katzenblutprodukt nicht verfügbar war,-
  • das der medizinische Dienst einen Notfall für die Transfusion befundet
  • die informierte Zustimmung des Besitzers vorhanden war, -
  • wenn nur die Gabe von Hundeblut in Frage kamen, und
  • wenn keine vorherige Xenotransfusion stattgefunden hatte.

Es wurde ein Standardtransfusionsprotokoll angewendet, das ein Screening des Spenders auf die Blutgruppe (A/B und DEA 1), die Messung von Standardlaborwerten und die Durchführung eines Kreuzvergleichs umfasste (obwohl dies aus Dringlichkeitsgründen nicht immer vor der Transfusion geschah). Die Transfusionen wurden von den Klinikteams standardmäßig überwacht.

Neunundvierzig Katzen erhielten eine Xenotransfusion und wurden in die Studie aufgenommen. 34,7% der Transfusionen waren auf chirurgischen Blutverlust zurückzuführen, 28,6% auf immunbedingte hämolytische Anämie 28,6% auf Tumorerkrankungen.  Die übrigen Tiere hatten unterschiedliche Ursachen für ihren Blutverlust. 61% der Katzen hatten die Blutgruppe vom Typ A, 28% vom Typ B, 6% vom Typ AB, und zwei wurden nicht typisiert. Kreuzproben wurden bei 29 Katzen durchgeführt, bei 69% der Katzen wurden größere Unverträglichkeiten und bei 31% kleinere Unverträglichkeiten gefunden.

Bei sechs Katzen (12.2) traten während der Transfusion fieberhafte, nicht hämolytische Reaktionen auf, die in 2 Fällen zu einem Abbruch und einer anschließenden Neubehandlung führten. Kein Tier starb an den Folgen von Transfusionsreaktionen. Es traten keine akuten Reaktionen außer der geschilderten fieberhaft-nicht-hämolytischen auf.

Von den überlebenden Patienten trat bei 64% eine verzögerte hämolytische Reaktion mit einem mittleren Beginn von zwei Tagen auf. Keine Katze starb an den Folgen dieser Reaktion.

Diese Studie weist einige Einschränkungen auf. Dazu gehören die relativ kleine Stichprobengröße (obwohl sie größer ist als die meisten früheren Veröffentlichungen zu diesem Thema) und das Fehlen einer Kontrollgruppe (d.h. Patienten, die an genau der gleichen Erkrankung leiden und die Katzenblut erhalten).

Insgesamt legt diese Untersuchung Papier nahe, dass es einen Platz für Xenotransfusionen in der Veterinärmedizin gibt. Die Gabe von Katzenblut ist die bevorzugte Behandlungsmöglichkeit für an einer Anämie leidende Katzen. Dazu muss ein entsprechendes blutgruppengerechtes Produkt verfügbar  sein.

In Situationen, in denen dies nicht praktikabel oder erreichbar ist, hat eine einzige Xenotransfusion jedoch ein geringes Risiko für ernsthafte Transfusionsreaktionen, und obwohl der Anstieg des Hämatokrits (prozentualer Anteil der Zellbestandteile am Gesamtvolumen des Blutes)nicht dauerhaft ist, erlaubt er einige Tage, um den Patienten zu stabilisieren. Es kann bei weiterer Anämie ein besser geeignetes Blutprodukte gefunden werden.

 Le Gal A, Thomas EK, Humm KR. Xenotransfusion of canine blood to cats: a review of 49 cases and their outcome. J Small Anim Pract [Internet]. 2019 Dec 22 [cited 2019 Dec 30];jsap.13096.