Tumoren Nervensystem bei Hunden und Katzen

Tumoren des Nervensystems treten am häufigsten im Gehirn, gefolgt von Tumoren des Rückenmarks und der peripheren Nerven auf.

Hirntumore bei Hunden

Hirntumoren bei Hunden treten bei etwa 14,5 Hunden und 3,5 Katzen von lebenden 100000 Tieren auf. Sie können primär im Gehirn entstehen oder sekundär (zum Beispiel aus dem Bereich der Nase ) ins Gehirn einwachsen oder eine Metastase eines Körpertumors darstellen.

Zu den Hirntumoren zählen

  • Meningeome – häufigste Hirntumore, häufig schlechtere Prognose als beim Menschen
  • Gliome – etwa gleich häufig wie Meningeome
  • Plexus-choroideus-Papillome und Karzinome – etwa 10 % der Tumore
  • Selten: Ependymom, Medullablastom, ZNS-Lymphom, Histiozytäre Sarkome, Neoplastische Retikulose, Hypophysentumoren

Es sind vorwiegend ältere Hunde von Gehirntumoren betroffen (Durchschnittsalter 9 Jahre). Boxer und andere kurzköpfige Rassen sind prädisponiert für Gliatumoren, dagegen leiden langnasige Rassen (bes. Golden Retriever) häufiger unter Meningeomen. Golden Retriever sind auch prädisponiert für Choroid-Plexustumoren. Überwiegend beim Pembroke Welsh Corgi, Berner Sennenhund, Rottweiler und Flat Coated Retriever findet sich das histiozytäre Sarkom.

Vielfältige Veränderungen und Ausfallserscheinungen beim Patienten können die Verdachtsdiagnose Hirntumor hervorbringen. Erste Hinweise kann eine neurologische Allgemeinuntersuchung ergeben. Moderne bildgebende Verfahren (Computertomographie oder MRT) sind dann zur weiteren Untersuchung angezeigt. Hier können Veränderung im Gehirn dargestellt und Verdachtsdiagnosen aufgrund der beteiligten Veränderungen gestellt werden.

Tumoren des Spinalkanals und Rückenmarks

Diese Tumore können entweder den das Rückenmark umgebenden Strukturen (extradural ) Wirbelkörper und Wirbelkörper umgebende Strukturen) oder den Schichten des Rückenmarkes (intradural) entstammen.

Bekannte extradurale Tumoren sind sind Osteosarkome oder Sarkome, die aus umgebenden Geweben stammen oder eine Metastase bilden.

Intradural treten meist Meningeome oder Nervenscheidentumoren (Schwannome, Neurofibrome) auf. In den inneren Schichten des Rückenmarkes (intramedullär finden sich beim Hund selten Tumoren.

Bei Katzen sind Tumorerkrankungen die wichtigste Ursache für Rückenmarkserkrankungen. In der Altersgruppe von 3 bis 8 Jahren sind Lymphome oder Wirbeltumoren am häufigsten, über 8 Jahre Lebensalter haben die Lymphome keine Bedeutung mehr.

Die Diagnose wird durch den Nachweis der Veränderungen an Wirbelsäule oder Rückenmark gestellt. Dabei kommen vor allem röntgenologische und CT-Untersuchungen zum Einsatz. Die Gabe von Corticosteroiden kann für eine zeitweilige Besserung der Krankheitssymptome sorgen. Chirurgisch kann die Resektion von Tumorgewebe versucht werden. Oft ist das Tumorgewebe bei extraduralen Tumoren mit umliegenden Strukturen verwachsen, so daß die Veränderungen schwer abzulösen sind. Deshalb ist die Komplikationsrate postoperativ relativ hoch. Eine zusätzliche Bestrahlung zeigt eine signifikant bessere Prognose für die Patienten.

Bei intramedullären Prozessen hat die Chirurgie normalerweise keinen Erfolg. Hier sollte der Einsatz von Strahlentherapie geprüft werden.

Nerven der Kopf- und peripheren Nerven

Die meisten Nerventumoren entstammen den Hüllstrukturen der Nerven. Am häufigsten werden Neurofibrome und Schwannome, also Nervenscheidentumoren (peripheral nerve sheath tumors, PNST) gefunden, weiterhin spinale Meningeome und Lymphome.

Erkrankungen finden sich vor allem bei männlichen Hunden großer Rassen im mittleren Alter. Es werden gehäufte Erkrankungen bei Westhighland White Terrier und Golden Retriever berichtet. Nach ihrem Ort des Auftretens werden drei Bereiche eingeteilt: Erkrankungen des Armgeflechts (Brachialisbereich), des Beingeflechts (Lumbosacralis) und von Nervenwurzeln.

Die Tumore wachsen normalerweise lokal invasiv mit hoher Rezidivneigung, aber geringen Metastasierungspotential. Die Symptome sind zunächst Schonung der betroffen Organe, später  starke Schmerzäußerungen. Zunächst werden oft orthopädische Probleme vermutet. Normalerweise sprechen die Nerventumoren aber nicht auf eine Schmerzbehandlung an. Es sollte dann diagnostisch weitergeforscht werden. Röntgenuntersuchungen ergeben meist keine Hinweise auf den Erkrankungsgrund. Deshalb sollte auf eine Computertomographie mit Kontrastdarstellung oder eine Kernspintomographie gesetzt werden.

Therapeutisch sollte eine bestmögliche chirurgische Entfernung durchgeführt werden. Dabei muss aber beachtet werden, ob es nach Lokalisation und Ausdehnung eine Erhaltung der Gliedmaßenfunktion erreicht werden kann.

Behandlung von Hirn-, Rückenmarks- und  Nerventumoren bei Hunden und Katzen

Die Behandlung des erkrankten Tieres verfolgt zwei Ziele: 1. Verbesserung des Lebensqualität und 2. Längerfristige Erhaltung des verbesserten Allgemeinbefindens. Dazu werden zunächst antiepileptisch wirkende Substanzen verabreicht. Für etwa 2 Monate kann der Einsatz von Corticosteroiden den klinischen Zustand deutlich bessern. Diese Zeitspanne muss genutzt werden, um eine gezieltere Behandlung – wenn dies möglich ist – durchzuführen. Hier haben sich sowohl die Chirurgie und die Strahlentherapie als Therapiemöglichkeiten etabliert. Es gibt keinen Königsweg, sondern es muss mit spezialisierten Tierärzten der für die Situation von Patienten und Familie beste Therapieplan abgesprochen werden.

Chirurgische Eingriffe sollen für eine Reduktion der Tumormasse und damit eine Verbesserung der Symptomatik sorgen. Die Nachsorge ist oft sehr aufwendig, um Komplikationen nach der Operation vorzubeugen.

Die Strahlentherapie ist zurzeit bei Hirntumoren von Hunden und Katzen die Behandlungsmethode der Wahl. Hierbei wird durch die Gabe vieler kleiner Bestrahlungsdosen die größtmögliche Schonung des umgebenden Gewebes erreicht. Zunächst wird in Kurznarkose ein sogenanntes Planungs-CT durchgeführt, um die bestmögliche Behandlung festzulegen. Anschließend wir die Bestrahlungsserie verabfolgt.

Wie kann die immunologische Behandlung in die Therapie von Hirn-, Rückenmarks- und  Nerventumoren integriert werden?

Bei der Durchführung einer Strahlentherapie sollte vor dem Beginn der Bestrahlungsserie bereits eine dendritische Zellbehandlung (ohne Tumorgewebe) geplant werden. Nach Abschluss der Bestrahlungsbehandlung wird die immunologische Behandlung weitergeführt. Dies reduziert die Nebenwirkungen der Bestrahlungsbehandlung, vor allem die Spätfolgen auf dieses empfindliche Gewebe.

Durch dieses kombinierte Vorgehen – etablierte Behandlungsformen  und immunologische Behandlung wird normalerweise die deutliche Verbesserung der Lebensqualität und der Überlebenszeiten erreicht.

Literatur:

Coates JR, Johnson GC Nervous System Neoplasia in: Cancer Management in Small Animal Practice, Hrsg Henry CJ, Maryland Heigths, Mi (2010)
Forterre F  Tumoren des Nervensystems in: Kleintieronkologie, 3. Aufl. Hrsg: Kessler M, Stuttgart (2012)
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